Sonntag, 6. Juli 2008

Rechtsgeführtes Interview mit Bismarck

Letzten Mittwoch wurde ein Interview in der ultrarechten Zeitung "JungeFreiheit" (jF) veröffentlicht, in der Ferdinand Fürst von Bismarck, der Urenkel Otto von Bismarcks, zu dem sogenannten "Links-Drift" befragt wurde, der zur Zeit angeblich in Deutschland geschieht.
Der Herr (und sogar Fürst ist er) Bismarck hält, liest und interpretiert man das Interview (ohne große Mühe) richtig, wohl das traditionell faschistisch und militärisch geführte (ehemalige) "Heimatland" seiner Urahnen Preußen für das Ideal eines Staates.
Überhaupt scheint Bismarck, welcher den Stolz, den er  auf seinen Stammbaum hegt (und pflegt), gerne und immer wieder betont, nicht (mehr) sehr angetan vom "Linksruck" und überhaupt der heutigen (auch von der Union geführten) deutsch-europäischen Staatspolitik zu sein. Vielmehr weist er aber darauf hin, dass es deswegen umso nötiger sei, dass z.B. die Migration, die seiner Meinung nach, dreister Weise sogar im Vergleich zur deutschen Bevölkerung, "eklatante Ausnahmen" einnehme. 
Dies ist nur eins von vielen Beispielen für Bismarcks nationalistischen Ansichten, die übrigens in der Familie Tradition zu haben scheint. 
Beispiele seiner rechten und konservativen "Meinungen" bzw. Schwachsinn hab ich im Folgenden zusammengestellt:
Zitat: "[...] die wachsende Macht der Linken ist (...)  eine Gefahr für das Bürgertum [...]"
Anmerkung von mir: 1. frage ich mich von welchem "Bürgertum" hier die rede ist und 2. JA, sofern die macht "der Linken" (übrigens eine von vielen Pauschalisierungen) ist und soll eine Gefahr für das Bürgertum sein. Wenn das Bürgertum (bzw. ein Teil) die indirekte Macht und den Einfluss auf die Politik der unter ihr gelegenen Schichten für sich in Ansprucht nimmt, ist das weder demokratisch noch gerecht (was schon an der Kapitalverteilung Deutschlands deutlicht zu erkennen ist). 3. Im weiteren behauptet er, dass "alles Private lähmende" und der "sozialistischen Zugriff des „fürsorglichen“ Staates auf immer mehr Bereiche unseres Lebens andererseits, das Ende der bürgerlichen Freiheit sei...reine Angst seine persönliche Macht zu verlieren; anders ist die paranoid wirkende Links-Phobie nicht zu erklären.
Zitat: "[...]Denken Sie etwa an das Antidiskriminierungsgesetz AGG oder das Gender Mainstreaming oder die Homo-Ehe. Alles Inhalte, die mittlerweile auch von der CDU vorangetrieben, zumindest aber akzeptiert werden. Dabei müßten all diese Dinge schleunigst wieder abgeschafft werden! [...]"
A.v.m: Nur um das noch einmal festzuhalten....Herr Bismarck ist für Diskriminierung und sowohl gegen eine Gleichschaltung der Geschlechter (somit Emanzipation etc.), als auch gegen Homosexuelle und deren Ehen! Viel mehr muss man dazu denke ich nicht nicht mehr sagen...
edit: leider ist mir die Hälfte durch die Inkompetenz von blogspot zur Zeit das bearbeiten von Posts nicht vollständig ermöglicht abhanden gekommen. So wollte ich z.b. auf seine nationalistische Haltung gegenüber Migration genau wie seine Forderung Eltern müssen Leistungsdruck auf ihre Kinder ausüben usw usw....sehr schade.
Lest euch aber gerne einmal das Interview komplett durch um zu verstehen wie überrascht ich war zu sehen, wie öffentlich ultrarechts-konservative Propaganda verbreitet wird. Guckt euch auch gerne mal auf der Web-site von der "JungenFreiheit" allg. um...sehr fragwürdig diese angeblich demokratische Zeitung!
Quelle: jF

Hitler Attentat geglückt

...so zumindest zitiert die taz den Essayist Henryk M. Broder, der damit auf einen Vorfall anspielt, der sich am Morgen des 5. Juli zugetragen hat. Es geht um den Vorfall, der sich in der Berliner Madame-Tussauds-Ausstellung ereignete, bei dem ein 41-jähriger Mann aus Erbostheit mit den Worten "Nie wieder Krieg!" der neuen, umstrittenen Hitler-Wachsfigur den Kopf im "Führerbunker" abriss. Schon also der zweite Besucher "hat sich endlich getraut(!)" (Zitat einer älteren Dame die an dem nun leeren Bunker vorbeiging) und geschafft, was eigentlich zwei "Sicherheitsmänner" verhindern sollten, die für den Schutz Adolf Hitlers (...Figur) sorgen und das Posen mit diesem unterbinden sollten. Der Schaden beläuft sich auf (angeblich) 200.000 Euro. Jetzt wird diskutiert, ob Hilter überhaupt noch einmal "wenige hundert Meter vom ehemaligen Ort der Reichskanzlei entfernt als Touristen- Attraktion" ausgestellt werden soll.

Quelle: taz.de

Der Mann stehe angeblich der "linken Szene" nahe was die Medien gerne hervorheben. Doch ändert dies nichts an dem grundlegende Widerstand, den wohl einige (wenige?) Menschen (noch?) gegen die Zurschaustellung des wohl grässlichsten Menschen des letzten Jahrhunderts und vielleicht der letzten Jahrhunderte, hegen.