Nachdem ich mein Abitur mit einem mehr oder weniger akzeptablen (für die meisten Unis in Deutschland für meinen "Traum-studiengang" (medizinische) Biologie eher inakzeptablen...) Schnitt hinter mir habe, studiere ich zur Zeit für mind. 1-2 Semester an der Universität Bielefeld "Bioinformatik und Genomforschung". Positiv aufgefallen sind mir gleich am ersten Tag, etliche linke Organisationen und Aktionen. Was dabei natürlich zur Sprache kommen MUSSTE war und ist immer noch das leidige Thema Studiengebühren:
Klar, Studiengebühren, sind u.a. bzw zum größten Teil Gebühren, die für höhere (manche neofaschistische Studentenverbindungen proklamentieren es stolz auch gerne als elitäre) Bildung (die eigentlich jedem und jedem frei zugänglich sein sollte) erhoben werden.
Aber wie sinnvoll ist es, zu fordern, Studiengebühren abzuschaffen? Um diese Frage zu beantworten, muss man ein wenig weiter ausholen und sich klarmachen, wer diese Studiengebühren bezahlt und wohin diese fließen.
Gerne wird von studentischen Organisationen verkündet, dass Studiengebühren selektierend seien und die "falschen" bestrafe. Das dies aber im großen Stil geschehen solln, bezweifle ich stark!
Denn man muss sich einmal genauer anschauen wer studiert: Ich habe zwar leider gerade keine offziellen Quellen dazu auf Lagern, aber es ist eine bekannte Tatsache, dass der größere Teil (so weit ich in Erinnerung habe ca 6 von 7) aus Familien stammen, die selber einen akademischen Bildungsweg hinter sich haben. D.h. die Wahrscheinlichkeit, dass ein Arbeiterkind studiert, liegt statistisch gesehen bei einem siebtel (dabei reicht allerdings ein studierter Elternteil, wobei jeglicher Hochschulweg zählt!). Die die Studiengebühren also zahlen müssen, sind also entweder die Eltern dieser Menschen, oder zumindest offziell Menschen, die "zufällig" Eltern haben, die es sich leisten können, ihr Kind studieren lassen zu "dürfen". Studiengebühren "bestrafen" also, wenn man so will, durchaus das richtige Klientel.
Selektion wird an diesem Bildungszweig also kaum durch Studiengebühren erreicht.
Selektion als solche, beginnt nämlich schon viel viel früher, nämlich spätestens im Alter von etwa zehn Jahren, in denen entschieden wird, auf welche weiter führende Schule ein Kind geht. Die Eltern dürfen zwar grundsätzlich ihr Kind auf ein Gymnasium schicken, ABER die meisten (und es sind deutlich die meisten) folgen dem Rat der Grundschullehrer/in. Dass GrundschullehrerInnen aber weniger nach den Noten (die übrigens auch zu einem gewissen Teil, Resultat des familiären Hintergrunds ist) als mehr nach dem Stand der Eltern entscheiden ist auch bekannt. Denn ein Kind dessen Eltern zur unteren Mittelschicht oder, man wage es kaum, sogar ein "Hartz-4" Kind ist, kann unmöglich sich z.B. bei Lernschwierigkeiten im Gymnasium (und die meisten Studierenden kommen eben aus den klassischen Gymnasien), mittels Geldmangel an z.B. einen NachhilfelehrerIn wenden,...oder?
Solange also in einem von grundauf selektierenden Schul- und Bildungssystem (in Deutschland) die Selektion schon im Kindes- (oft genug auch schon im Kleinkind-) alter an anfängt, braucht man sich am Ende dieses Bildungsweges nicht damit abmühen, den letzten Selektionsschritt derart fanatisch fast anzugehen. Stattdessen bin ich aber natürlich durchaus dafür, Möglichkeiten zu errichten, potenziellen Studierenden, die im Prinzip letztlich nur das Geld davon abhält, ein passendes Studium zu ermöglichen.
Genau so wichtig ist es dann auf der anderen Seite natürlich auch, das Geld, das durch Studiengebühren eingenommen wird, sonnvoll und gerecht zu verteilen; seis in das Studentenwerk, welches sich um viele elementare Dinge, wie Semestertickets für den Nahverkehr oder Essen kümmert, seis aber auch in die Forschung usw.
Dass hier im Sinne der Studierenden entschieden wird, dafür sorgt und kontrolliert u.a. der ASta und dies soweit ich weiß mit entscheidenden Erfolgen!