Freitag, 17. Oktober 2008

Über den Fetischcharakter des Geldes

Im Zuge der zur Zeit anhaltenden "Finanzkrise" wird traditionell nach Marx Engels und Co und ihre Ideen vom staatlichen Sozialismus und der Kritik am ungehemmten Kapitalismus geschrien. Auf einmal ist Kapitalismus und das jahrzehnte lange Spekulieren auf Kosten von Dritte-Welt-Ländern, die ohne Rücksicht auf Verluste schamlos ausgebeutet werden, schlecht ja schon fast ein Unding und wie konnte niemand davor warnen und und und. 

In diesem Sinne wird nicht nur über kommunistische Ideen geredet, spekuliert und diskutiert, sondern auch über das kapitalistische Finanzsystem, das uns beherrscht und welches uns dazu (unbewusst) anstiftet mitzumachen, wie auch über die damit verbundene Geldwirtschaft, geredet.

Hier ein interessantes Interview das mit Christoph Deutschmann, einem Soziologen, der an der Universität Tübingen lehrt, geführt wurde. Es geht um den sog. Fetischcharakter des Geldes, eine Anspielung auf Marx' "Das Kapital", in welchem er gleich zu "Beginn" des ersten Kapitels über den Warenfetschismus (und sein Geheimnis) refferiert.

Hier der Linke http://www.taz.de/1/zukunft/konsum/artikel/1/geld-erfuellt-religioese-funktionen/

Donnerstag, 16. Oktober 2008

Studiengebühren

Nachdem ich mein Abitur mit einem mehr oder weniger akzeptablen (für die meisten Unis in Deutschland für meinen "Traum-studiengang" (medizinische) Biologie eher inakzeptablen...) Schnitt hinter mir habe, studiere ich zur Zeit für mind. 1-2 Semester an der Universität Bielefeld "Bioinformatik und Genomforschung". Positiv aufgefallen sind mir gleich am ersten Tag, etliche linke Organisationen und Aktionen. Was dabei natürlich zur Sprache kommen MUSSTE war und ist immer noch das leidige Thema Studiengebühren:

Klar, Studiengebühren, sind u.a. bzw zum größten Teil Gebühren, die für höhere (manche neofaschistische Studentenverbindungen proklamentieren es stolz auch gerne als elitäre) Bildung (die eigentlich jedem und jedem frei zugänglich sein sollte) erhoben werden.

Aber wie sinnvoll ist es, zu fordern, Studiengebühren abzuschaffen? Um diese Frage zu beantworten, muss man ein wenig weiter ausholen und sich klarmachen, wer diese Studiengebühren bezahlt und wohin diese fließen.

Gerne wird von studentischen Organisationen verkündet, dass Studiengebühren selektierend seien und die "falschen" bestrafe. Das dies aber im großen Stil geschehen solln, bezweifle ich stark!

Denn man muss sich einmal genauer anschauen wer studiert: Ich habe zwar leider gerade keine offziellen Quellen dazu auf Lagern, aber es ist eine bekannte Tatsache, dass der größere Teil (so weit ich in Erinnerung habe ca 6 von 7) aus Familien stammen, die selber einen akademischen Bildungsweg hinter sich haben. D.h. die Wahrscheinlichkeit, dass ein Arbeiterkind studiert, liegt statistisch gesehen bei einem siebtel (dabei reicht allerdings ein studierter Elternteil, wobei jeglicher Hochschulweg zählt!). Die die Studiengebühren also zahlen müssen, sind also entweder die Eltern dieser Menschen, oder zumindest offziell Menschen, die "zufällig" Eltern haben, die es sich leisten können, ihr Kind studieren lassen zu "dürfen". Studiengebühren "bestrafen" also, wenn man so will, durchaus das richtige Klientel.

Selektion wird an diesem Bildungszweig also kaum durch Studiengebühren erreicht. 

Selektion als solche, beginnt nämlich schon viel viel früher, nämlich spätestens im Alter von etwa zehn Jahren, in denen entschieden wird, auf welche weiter führende Schule ein Kind geht. Die Eltern dürfen zwar grundsätzlich ihr Kind auf ein Gymnasium schicken, ABER die meisten (und es sind deutlich die meisten) folgen dem Rat der Grundschullehrer/in. Dass GrundschullehrerInnen aber weniger nach den Noten (die übrigens auch zu einem gewissen Teil, Resultat des familiären Hintergrunds ist) als mehr nach dem Stand der Eltern entscheiden ist auch bekannt. Denn ein Kind dessen Eltern zur unteren Mittelschicht oder, man wage es kaum, sogar ein "Hartz-4" Kind ist, kann unmöglich sich z.B. bei Lernschwierigkeiten im Gymnasium (und die meisten Studierenden kommen eben aus den klassischen Gymnasien), mittels Geldmangel an z.B. einen NachhilfelehrerIn wenden,...oder?

Solange also in einem von grundauf selektierenden Schul- und Bildungssystem (in Deutschland) die Selektion schon im Kindes- (oft genug auch schon im Kleinkind-) alter an anfängt, braucht man sich am Ende dieses Bildungsweges nicht damit abmühen, den letzten Selektionsschritt derart fanatisch fast anzugehen. Stattdessen bin ich aber natürlich durchaus dafür, Möglichkeiten zu errichten, potenziellen Studierenden, die im Prinzip letztlich nur das Geld davon abhält, ein passendes Studium zu ermöglichen. 

Genau so wichtig ist es dann auf der anderen Seite natürlich auch, das Geld, das durch Studiengebühren eingenommen wird, sonnvoll und gerecht zu verteilen; seis in das Studentenwerk, welches sich um viele elementare Dinge, wie Semestertickets für den Nahverkehr oder Essen kümmert, seis aber auch in die Forschung usw. 

Dass hier im Sinne der Studierenden entschieden wird, dafür sorgt und kontrolliert u.a. der ASta und dies soweit ich weiß mit entscheidenden Erfolgen!

"Rassen"-Trennung Rival

Nach länger Abstinenz mangels Zeit, mal wieder ein neuer Blogeintrag. Da ich auch für die Zukunft nicht sehe, wann, wie und wie oft ich Zeit fürs bloggen haben werde, werde ich wohl verstärkt dazu übergehen, Artikel aus mehr oder weniger bekannten Zeitungen (linke, wie z.B. "TAZ", "jW" oder "nD", aber auch rechte Äquivalente, wo von der parlamentarischen extreme wohl als Paradebeispiel die ultrarechte Zeitung "junge Freiheit" zu nennen ist) zu exerpieren und zu kommentieren, dahergehend die angesprochenen Themen überhaupt ins Bewusstsein zu rücken.

Ich fange an dieser Stelle an mit einer Nachricht, die einen neuen Parlamentsbeschluss Italiens behandelt, der offebar rassistisch motiviert ist:

Es geht um die Trennung von immigirierten und einheimischen Kindern in Schulen! Auf Antrag der fremdenfeindlichen Regierungspartei Lega Nord, dem das Abgeordentenhaus zustimmte, werden zukünftig seperate Klassen eingeführt, in denen Kindern ohne "ausreichende" Italienischkenntnisse verfügen, unterrichtet werden. Die Frage ist, was sind "ausreichende" Kenntnisse? Eine staatliche Prüfung oder ähnliches gibt es für Kinder jedenfalls nicht? Wer entscheidet in welche Klasse ein "Immigrantenkind" darf(/muss) und nach welchen Kriterien wird da selektiert? Allein nach Sprachkenntnis sicherlich nicht. Der familiäre Hintergrund, was Vermögen und Stand der Eltern, spielen dabei sicher auch keine geringe Rolle.

Was das soll kann man sich fragen, wenn man bedenkt, dass Italiens Grundschulen bisher sich EU-weit haben sehen lassen können (im Gegensatz zum Rest des italienischen (Schul-)Bildungssystems). Wer die extra Klassen bezahlen soll ist auch noch weit gehend unklar, denn einerseits wird von den (Neo)Konservativen Italienern gefordt, nach ethnischer Herkunft aus zu sortieren, andererseits aber von der Neoliberalen Gruppen um Berlusconi Geld für Bildung in Milliardenhöhe (dazu gehört das Streichen von lehrenden Arbeitsplätze) gestrichen!

Auch kann man sich weiterhin fragen, ob eine ähnliche Situation wie in den USA zu Zeit der Bürgerrechtsbewegung in den 1950er und 60er Jahre herbei gesehnt wird, in denen Menschen noch nach weiß und schwarz getrennt wurden. Auch wie das andere EU-Staaten das sehen, insbesondere Deutschland wäre interessant (natürlich aus inoffzieller Sicht).

Einen EU-weiten Beschluss, den die Staaten gerade verabschiedet haben, deutet jedenfalls auf nichts humanitäres hin (dazu in einem weitern Artikel mehr Information).

Quelle: taz.de